Freiheit in Grenzen

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„Freiheit in Grenzen“

Im schulischen Erziehungsalltag machen wir häufig die Beobachtung, dass unsere pädagogischen Bemühungen ins Leere laufen, wenn diese nicht von den Eltern unterstützt werden. Wir erfahren, wie verwirrend und verunsichernd  es für Kinder sein kann, wenn sich  elterliche Erziehungspraktiken und pädagogisches Handeln des Lehrers unterscheiden oder sogar widersprechen.

Eine wichtige Aufgabe sehen wir deshalb darin, zwischen Elternhaus und Schule einen größtmöglichen Konsens in Erziehungsfragen herzustellen.

Die zentralen Fragen dabei sind:

  • Was ist richtige oder gute Erziehung? 
  • Wie sieht positives Erziehungshandeln aus? 
  • Gibt es aktuelle Befunde aus den Erziehungswissenschaften?
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Prof. Klaus A. Schneewind und Beate Böhmert vom Department Psychologie der Universität München haben „nach jahrzehntelangen Forschungsstudien“ ein Konzept entwickelt, das Kindern ermöglicht, sich zu lebensbejahenden, selbständigen, leistungsbereiten und gemeinschaftsfähigen Personen zu entwickeln. Ihr Erziehungskonzept „Freiheit in Grenzen“ beruht im Wesentlichen auf drei Merkmalen:

  •  Wertschätzung
  •  Fordern und Grenzensetzen
  •  Gewähren  und Fördern von Eigenständigkeit

 

Schneewind/Böhmert ( 2009),  S. 21

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Mit dem Titel „Kinder im Grundschulalter kompetent erziehen“ (Buchtitel siehe unten) wenden sich die Autoren primär an Eltern, die ihre Erziehungskompetenzen reflektieren und zugleich erweitern und stärken wollen.

 

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Da dieses Konzept  aber auch als Grundlage für das erzieherische Handeln des Lehrers  hervorragend geeignet erscheint, haben wir es als pädagogisches Leitbild an unserer Schule eingeführt. An einem Elternabend wurden die wichtigsten Elemente des Erziehungsprinzips „Freiheit in Grenzen“  vorgestellt und Filmausschnitte von typischen Erziehungsszenarien diskutiert. Auch alle Lehrkräfte beschäftigen sich im Rahmen der schulinternen Fortbildung eingehend mit  diesem Erziehungskonzept. Fallbeispiele aus der schulischen Erziehungspraxis werden gemeinsam analysiert und nach dem Prinzip „Freiheit in Grenzen“  adäquate pädagogische Verhaltensweisen abgeleitet. Damit wir wirklich zu kompetenten Erziehern werden können, ist es für Eltern und Lehrer gleichermaßen wichtig, das eigene erzieherische Handeln immer wieder zu überdenken und es neu auszurichten nach den Grundsätzen des Prinzips „Freiheit in Grenzen“.

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Eine Hilfe dazu soll die folgende Zusammenfassung wesentlicher Merkmale sein:

Schneewind/Böhmert  (2009) , S. 36

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In der Theorie werden drei Prototypen von Erziehungsstilen unterschieden. In der Praxis werden jedoch seltener Erziehungsstile in einer extrem ausgeprägten Form beobachtet. Vielmehr verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Konzeptionen und es kommt zu Mischformen.

 

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Drei Erziehungsstile (Prototypen) im Vergleich

 

1.    Freiheit ohne Grenzen“

  • Kinder können tun und lassen, was sie wollen
  • Eltern / Erzieher können sich nicht durchsetzen

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2.   „Grenzen ohne Freiheit“

  •  Kinder werden stark eingeschränkt
  •  Eltern / Erzieher strafen, sind verbal oder körperlich aggressiv,
  •  Eltern / Erzieher haben eine wenig liebevolle, eher distanzierte Beziehung zu den Kindern.

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3.   „Freiheit in Grenzen“

  • Kinder werden wertgeschätzt und unterstützt, dürfen entscheiden
  • Eltern / Erzieher sind freundlich, aber bestimmt und konsequent.

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vgl. Schneewind/Böhmert (2009), S.40 f

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Die Autoren Schneewind und Böhmert geben in zwölf Punkten zusammengefasst konstruktive Hinweise, wie wir als Erzieher schwierige Situationen mit Kindern am besten meistern können:

 

Überleben in schwierigen Situationen: Zwölf Erziehungstipps

1.   Stärken Sie das Positive

2.   Klären Sie Ihre Erziehungsstrategie

3.   Kontrollieren Sie Ihren Ärger

4.   Achten Sie auf direkte und verschlüsselte Botschaften

5.   Seien Sie kurz, präzise und positiv

6.   Reden und handeln Sie respektvoll

7.   Sprechen Sie von sich selbst

8.   Lassen Sie Ihr Kind entscheiden

9.   Verwenden Sie Regeln und Absprachen

10.   Seien Sie konsequent mit Konsequenzen

11.  Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst

12.  Holen Sie sich Rat und Unterstützung

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vgl. Schneewind/Böhmert (2009), S. 163 ff

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Die Veröffentlichung von Auszügen und Abbildungen aus  „K. A. Schneewind, B. Böhmert (2009): Kinder im Grundschulalter kompetent erziehen“  geschieht mit ausdrücklicher Erlaubnis des Verlags Hans Huber, Bern.

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